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Glück im Unterricht – Kleine Momente, große Wirkung im Klassenzimmer

  • Nina Molnar
  • vor 5 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Manchmal sind es die unscheinbaren Momente, die das größte Lächeln hervorzaubern:

Wenn ein Kind einem anderen den Radiergummi reicht, wenn gemeinsam gelacht wird oder wenn jemand stolz sagt: „Das hab ich heute richtig gut gemacht.“

Diese kleinen Augenblicke sind kostbar – denn sie sind der Stoff, aus dem Glück entsteht.


Was ist Glück eigentlich?

Glück ist viel mehr als das kurze Gefühl, wenn etwas besonders gut gelingt.

Die Psychologin Heide-Marie Smolka beschreibt Glück als eine Verbindung aus Zufriedenheit und Glücksmomenten – also aus Denken und Fühlen.

Zufriedenheit entsteht, wenn wir mit wichtigen Lebensbereichen im Einklang sind. Glücksmomente hingegen sind die bewussten Erlebnisse, die Freude auslösen:

der Sonnenstrahl am Fenster, Kinderlachen, der Duft nach Regen.


„Im Hier und Jetzt schaffen wir uns den Landeplatz für unser Glück.“— Heide-Marie Smolka


Das Schöne ist: Glück kann man lernen.Studien zeigen, dass etwa 40 % unseres Glücks durch bewusste Entscheidungen und Handlungen beeinflusst werden können – durch Dankbarkeit, Mitgefühl, Achtsamkeit und den Blick für das Gute.

Diese Erkenntnis ist besonders ermutigend für die Schule: Glück ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Haltung, die wir – Schritt für Schritt – gemeinsam mit unseren Schüler:innen entwickeln können.

glückliches Klassenzimmer

Warum Glück im Unterricht wichtig ist

Kinder wachsen in einer Welt auf, die oft laut, schnell und leistungsorientiert ist.

Sie erleben früh, dass es scheinbar immer noch „mehr“ geben muss – bessere Noten, mehr Anerkennung, mehr Erfolg. Doch wer nie lernt, innezuhalten und die kleinen Dinge zu schätzen, verliert leicht den Kontakt zu sich selbst.

Wenn Kinder lernen, Glück zu erkennen und zu pflegen, entwickeln sie Resilienz, Mitgefühl und Selbstvertrauen.Sie lernen, dass Glück nicht von außen kommt, sondern in ihrem Inneren beginnt – in der Art, wie sie denken, fühlen und miteinander umgehen.

Auch für Lehrpersonen ist dieses Thema ein Geschenk.

Wer regelmäßig Glücksmomente teilt, erlebt mehr Freude, Gelassenheit und Verbindung mit der Klasse. Glück im Unterricht bedeutet nicht, dass immer alles perfekt sein muss – es geht darum, die kleinen, guten Dinge bewusst zu bemerken und sichtbar zu machen.

Ein gemeinsames Lachen, eine Umarmung, eine liebe Geste – all das sind kleine Leuchttürme, die das Klima im Klassenzimmer verändern können.

Lehrerin lacht mit Schülern

Eine einfache Übung: das Glücksglas

Das Glücksglas ist eine kleine, aber wirkungsvolle Übung, um Dankbarkeit und Achtsamkeit im Schulalltag zu fördern.Jedes Kind gestaltet ein Glas, in das es Zettel mit Glücksmomenten legt:eine schöne Begegnung, etwas, das gelungen ist oder ein Moment, für den man dankbar ist.

Beispiele aus meiner Klasse:

„Heute hat jemand mit mir geteilt.“

„Ich habe mich getraut, etwas vorzulesen.“

„Heute hat die Sonne geschienen.“

„Ich habe einen schönen Stein am Schulweg gefunden.“

Glücksglas

Am Ende jedes Tages oder jeder Woche können die Kinder, die wollen ihre Glücksmomente mit den anderen Kindern teilen.

So lernen sie: Glück ist nichts, das man suchen muss – es entsteht, wenn man aufmerksam wird für das, was schon da ist.

Das Glücksglas kann Kindern außerdem in schwierigen Momenten helfen.

Wenn jemand traurig, enttäuscht oder verunsichert ist, kann es sein Glas öffnen, einzelne Zettel lesen und sich so wieder bewusst machen, wie viele schöne, stärkende und wohltuende Augenblicke es bereits erlebt hat.

Diese Übung wirkt besonders stark, wenn sie regelmäßig wiederkehrt. Nach ein paar Wochen wird sie zu einem Ritual, das die Kinder verinnerlichen.

Das Schreiben der Glücksmomente wird zu einem ruhigen Moment, in dem sie reflektieren, was ihnen gutgetan hat.So wächst ihr Bewusstsein für das Positive – und das verändert langfristig ihre innere Haltung.


Meine Erfahrung mit dem Glücksglas

Ich habe das Glücksglas lange Zeit als tägliches Ritual in meiner Klasse begleitet – und es war jedes Mal etwas ganz Besonderes. Anfangs habe ich erklärt, dass wir darin kleine Ereignisse sammeln, die uns glücklich machen oder für die wir dankbar sind.

Schon nach wenigen Tagen war das Ritual fest verankert: Die Kinder kamen morgens ins Klassenzimmer, setzten ihre Taschen ab – und viele gingen ganz selbstverständlich zu ihrem Glücksglas, nahmen einen Zettel und schrieben leise ihre Glücksmomente auf, ohne dass ich sie daran erinnern musste.

Manchmal beobachtete ich, wie ein Kind kurz innehielt, nachdachte, lächelte und dann zu schreiben begann. Diese Augenblicke haben mich jedes Mal tief berührt – denn darin lag etwas ganz Echtes, ein stilles Bewusstsein dafür, dass Glück oft mitten im Alltag entsteht.

Es gab aber auch Kinder, die anfangs nie etwas aufgeschrieben haben.

Nicht, weil sie nichts erlebt hätten, sondern weil sie noch nicht wussten, wie sich ein Glücksmoment „anfühlt“ oder weil sie noch unsicher waren.

Mit der Zeit jedoch wurde ihr Glas voller – langsam, ganz in ihrem eigenen Tempo.

Und manche Kinder haben ihre Glücksmomente nie laut geteilt. Auch das war vollkommen in Ordnung.Es war wichtig, ihnen den Raum zu geben – ohne Erwartung, ohne Druck, einfach mit einer liebevollen Einladung, immer wieder hinzuspüren: Was hat mir heute gutgetan?

Ein Junge in meiner Klasse hat während der gesamten Volksschulzeit keinen einzigen Glücksmoment mit der Klasse geteilt. Nach außen hin wirkte es oft so, als würde er sich nicht beteiligen. Und doch habe ich immer wieder beobachtet, wie er leise einen Zettel schrieb und ihn in sein Glas warf – ganz für sich. Als wir uns am Ende der vierten Klasse verabschiedeten, schrieben mir alle Kinder einen Brief. In seinem Brief erwähnte er, wie schön er das Glücksglas fand und dass es für ihn eine besondere Erinnerung an seine vier Jahre in der Volksschule geworden sei.

Dadurch hat er mir gezeigt, dass das Glücksglas nicht nur eine Übung ist, sondern auch ein stilles Erinnerungsstück – ein Gefäß voller kleiner, kostbarer Augenblicke, die ein Kind vielleicht nie laut ausspricht, aber dennoch in seinem Herzen bewahrt.

Das Glücksglas sollte nie ein „Pflichtgefühl“ auslösen, sondern ein sanfter Begleiter sein, der immer bereitsteht, wenn ein Kind etwas festhalten möchte.

Ich habe die Kinder immer wieder ermutigt – ganz behutsam –, auf Kleinigkeiten zu achten, ohne zu bewerten, ob etwas „groß genug“ ist. Denn oft sind es die kleinen Dinge, die das Herz berühren.


Glück beginnt bei uns

Auch für mich selbst wurde das Glücksglas zu einer wichtigen Routine.Ich hatte mein eigenes Glas im Klassenzimmer stehen und schrieb jeden Tag etwas hinein – manchmal kleine Dinge aus meinem Privatleben, manchmal Ereignisse aus der Schule.

Es war meine persönliche Dankbarkeitspraxis im Unterricht – und ich bin überzeugt, dass die Kinder gespürt haben, wie ehrlich und bedeutungsvoll dieses Ritual für mich war.

Sie haben gesehen, dass Glück nichts Theoretisches ist, sondern etwas, das man lebt, übt und mit anderen teilt – still, freundlich und Schritt für Schritt.


„Wenn wir selbst Glück praktizieren, lehren wir es ganz ohne Worte.“


Glück wird zu einer Haltung – etwas, das wir in die Klasse hineintragen:

durch unser Lächeln, unsere Worte, unsere Aufmerksamkeit.

Kinder spüren Authentizität.Wenn sie merken, dass ihre Lehrperson selbst Dankbarkeit lebt, folgen sie ganz automatisch diesem Beispiel.


Wissenschaftlich betrachtet …

Glückliche Menschen sind nicht nur zufriedener, sie sind auch gesünder, kreativer und sozial verbundener.Forschungen zeigen, dass Dankbarkeit im Gehirn die Regionen stärkt, die für Wohlbefinden und positive Emotionen zuständig sind.

Auch die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler:innen verbessert sich, wenn Freude, Humor und Achtsamkeit regelmäßig Raum bekommen.

Psycholog:innen sprechen hier von einer „aufwärtsgerichteten Spirale“ –je mehr wir auf das Gute achten, desto mehr Gutes nehmen wir wahr.

Das Glücksglas ist also weit mehr als eine nette Idee – es trainiert ganz konkret das Gehirn, Positives stärker zu gewichten. Diese Veränderungen wirken langfristig und können sogar Stress reduzieren.


Reflexionsfragen zum Abschluss

  • Wann hattest du heute im Unterricht einen Moment von Freude oder Verbindung?

  • Was hat dich in dieser Woche lächeln lassen?

  • Welche kleinen Dinge im Klassenzimmer machen dich glücklich – und merkst du sie bewusst?


Mehr Glück im Schulalltag – Monatspaket „Glück“

Wenn du solche Übungen, Anleitungen und Impulse regelmäßig nutzen möchtest, findest du sie im Monatsabo für Lehrpersonen von Mindful Teachings.

Im Themenpaket „Glück“ begleitet dich das Abo Schritt für Schritt dabei, Freude, Dankbarkeit und positive Momente bewusst in deinen Unterricht zu integrieren:

– vier Wochen mit jeweils einer kindgerechten Übung pro Woche

– kreative und soziale Glücksimpulse für den Klassenalltag

– Reflexionsfragen und Materialien zum Download

So lernen Kinder (und Lehrpersonen), Glücksmomente bewusster wahrzunehmen und den Blick auf das zu richten, was stärkt und guttut – im Schulalltag und darüber hinaus.

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